Am 30. September 2001 habe ich beim 28. real,- Berlin-Marathon (die Internetpräsenz ist sehr gut) teilgenommen. Hier ein "kleiner" Erlebnisbericht, der ursprünglich als E-Mail geschrieben wurde.
Da man die Startunterlagen bis spätestens Sa. abzuholen hatte, wollte ich Sa. nachmittag in Berlin ankommen. Allerdings musste ich dazu um 5 Uhr aufstehen und hab' dann erst meine Sachen gepackt. Eine Liste mit fast 80 Einzelposten hatte ich aber bereits Fr. erstellt und es passte auch alles in meinen kleinen Rucksack. :-)
Die Zugfahrt verlief ereignislos und ich kam pünktlich in Berlin an und bin dann direkt zur Messe gefahren. Auf dem letzten Stück, das ich zu Fuß zurücklegte, kamen mir bereits Massen an Läufern entgegegen. Vor der Messehalle standen dann links und rechts Läufer, die einen Chip abholen mussten. Ich konnte zum Glück durch die Messe und am anderen Ende zur Ausgabe der Startunterlagen gehen. Ohne Wartezeiten bekam ich meine "Marathontüte", fand dann aber den Ausgang nicht, bis ich erkannte, dass die Menschenmassen nicht bereits für die Pastaparty anstanden, sondern ebenfalls raus wollten. Da ich einen eigenen Chip hatte und davon ausging (wie mir auch von den "Offiziellen" bestätigt wurde) alles zu haben, habe ich mich nach vorne gedrängt, wurde aber dennoch gescannt (für was auch immer das gut war).
Die Marathonmesse war ziemlich groß, doch mir war der Andrang zu groß. Ich habe nur schnell ein paar Squeezy gekauft und bin wieder gegangen.
Am Sa. bin ich dann um 5.30 Uhr aufgestanden und habe gefrühstückt. War wohl doch etwas zu spät. In Zukunft will ich noch früher frühstücken.
Ich bin dann bin der S-/U-Bahn zum Startgelände gefahren und war froh, dass ich so weit außerhalb wohnte (Friedrichshain im Osten). Die U-Bahn war bald völlig überfüllt, sodass keiner mehr rein konnte.
Kurz nach 8 Uhr war ich dann aber am Startgelände und habe mich zwischen den "Kleiderbeutel-LKWs" umgezogen. Klugerweise hatte ich meine Laufklamotten bereits unter der normalen Kleidung, sodass ich schnell fertig war. Dann suchte ich meinen "Mitläufer", was gar nicht so einfach war.
30.000 Läufer sind schon eine ganz schöne Masse. Durch Glück hat er mich dann in der Nähe des Treffpunkts gefunden (gut, dass ich mein Foto gemailt hatte). Ich bin dann noch schnell in die Büsche und wir haben uns noch etwas warm gelaufen.
Der grüne Startblock war ziemlich klein und weit vorne und ich kam sehr schnell über die Startlinie. Da nur ca. 1000 Läufer unter 3 Stunden liefen, ist das aber auch nicht verwunderlich. Die Starblöckeeingänge wurden kontrolliert, wir sind dennoch über die Absperrung, da der Eingang bereits etwas blockiert war.
Die ersten Kilometer waren wir noch kräftig am überholen und ich mit dem Gedanken beschäftigt, wir sind zu schnell. Bei Km 5 gab's das erste mal was zu trinken und ich musste erkennen, dass die Ausschreibung leider fehlerhaft war, denn dort war von verschieden farbenen Luftballons zu lesen, die auf Tee, Wasser, Eigenverpflegung hinweisen sollten. Leider gab's nur weiße Ballons, aber ich habe das Wasser trotzdem gefunden. Die Wasserstellen waren ziemlich groß, sodass man problemlos Wasser greifen konnte, das einem meist auch gereicht wurde.
Nach dem 4:03 und 3:55 Min/km sagte ich Lars, dass das Tempo zu schnell ist. Er ist dann auch etwas langsamer geworden, aber das Tempo war mir bei Kilometer 10 immer noch zu schnell, sodass ich mich abgesetzt habe, als ich ihn nach dem Getränkestand nicht mehr sah.
Die zweiten 10 Kilometer versuchte ich dann, mein Tempo zu finden, was mir aber nicht besonders gut gelang, da ich dringend auf die Toiletten musste. Ich war erstaunt, dass es kaum Toiletten gab. Kurz vor Km 16 kam dann ein Schild und es gab tatsächlich drei (oder waren's doch nur zwei) Toilettenhäuschen.
Nach der Toilettenpause lief's für mich einigermaßen gut und ich rechnete noch damit unter drei Stunden laufen zu können.
Übrigens, der SMS-Service hat zumindest für (einige|alle) schnellen Läufer nicht funktioniert. So bekam ich meine Halbmarathonzeit, aber keine Endzeit. Die Halbmarathonzeit war allerdings in Wirklichkeit die 20-Kilometer-Zeit, was für manche "Supporter" zu einem "Wo bleibt er denn so lange"-Erlebnis führte.
Irgendwann nach Kilometer 25 hat dann mein Knie beim Auftreten plötzlich ziemlich geschmerzt, sodass ich langsamer wurde. Da ich meine Wunschzeit bzw. eine Zeit unter drei Stunden ohnehin nicht mehr erreichen konnte, entschloss ich mich, den Marathon zumindest zu Ende zu laufen. Ist allerdings trotzdem ziemlich demotivierend, wenn du laufend überholt wirst.
Die Stimmung fand ich nicht sooo toll und anscheinend waren auch weniger Zuschauer als letztes Jahr an der Strecke. Ich bin nicht der einzige, dem der Hansaplast Marathon Hamburg dieses Jahr besser gefallen hat. Dies mag aber auch daran gelegen haben, dass die zahlreichen Ordner die Zuschauer immer wieder zurückgehalten haben. Besser für die (schnellen) Läufer -- schlechter für die Stimmung.
Ich hatte übrigens nie das Gefühl, den Berlin-Marathon nicht schaffen zu können. Immerhin war ich ja im Training auch schon länger als drei Stunden gelaufen.
Die letzten 2.2 Kilometer war dann aber doch noch die Hölle los. Allerdings wurden die Zuschauer von hohen Absperrgitter zurückgehalten. Ich lief dann problemlos ins Ziel ein und bekam ohne großes Warten die Medaille umgehängt. Auch auf eine Plastikplane musste ich nicht lange warten.
Im Ziel gab's Bananen, Apfel, Iso-Drinks, Wasser, Tee und Bier. Der Zielbereich war ziemlich lange und ich hab' mich dann noch für eine Massage angestellt, musste aber einige Zeit warten.
Im Ziel war ich dennoch einigermaßen fit. Keine Blasen oder Ähnliches.
Die LKWs mit Kleiderbeutel waren in zwei Reihen geparkt. Die eine fing mit ca. 20.000, die andere mit ca. 10.000 an. Ich hatte gehofft, dass mein Beutel (19675) in einem der ersten LKWs ist, leider war es dann aber der vorletzte LKW und ich musste ziemlich weit gehen, bis ich mich endlich umziehen konnte. Stellenweise war es ein Gedränge, da Leute entgegen kamen, die zu den Duschzelten wollten (nicht zu empfehlen) und auch Zuschauer (mit Kinderwagen) im eigentlich abgesperrten Bereich herumliefen/-standen.
Irgendwie hing mein Beutel falsch, aber nach endlosem Suchen wurde er dann doch noch gefunden :-) und ich zog mich neben dem LKW um. Vom letzten LKW bis zur U-Bahn-Station Nollendorfplatz war's dann nur ein Katzensprung und ich bin (schwarz) zurückgefahren.
Die Sofort-Urkunde habe ich komplett vergessen. Keine Ahnung, wo es diese gab. Während meines Laufs war es übrigens trocken. Erst nachdem ich mich umgezogen hatte, fing es leicht an zu regnen. Das Wetter war dennoch ziemlich ideal.
Wie du sicher mitbekommen hast, wurde ein neuer Weltrekord der Frauen aufgestellt. Endlich unter 2:20. Allerdings wurde der Rekord ja bereits eine Woche später in Chicago gebrochen (2:18:47). Trotzdem klug gemacht von Naoko Takahashi. Lieber auf 800.000 USD Antrittsgeld verzichtet und eine Woche vorher als erste Frau unter 2:20 gelaufen. Vielleicht läuft sie ja nächstes Jahr in Chicago unter 2:15 ...
Leider liegen sämtliche Wohnung in Berlin im vierten Stock, sodass ich mich Sonntag und Montag etliche Treppen hoch- und runterquälen musste. Aber am Dienstag ging's schon wieder einigermaßen.
Vielleicht lauf ich in zwei Jahren wieder in Berlin, wenn es dann heißt: Willkommen beim 30. real,- Berlin-Marathon. :)
26. Juli 2002
Martin Schrode <webmaster @ schrode . net>
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