Testbericht zum Super Super-Marathon

Das Rennsteig-Logo weist den WegAm 25. Mai 2002 fand der 30. GutsMuths-Rennsteiglauf statt. Ich habe für running-pur ONLINE als Tester des TEAG-Supermarathons (74,3 Km) teilgenommen und diesen Erfahrungsbericht geschrieben.

Vor dem Lauf

Um 20:19 Uhr komme ich am Eisenacher Bahnhof an. Am Ausgang des Bahnhofs weist ein Klappschild auf die Startunterlagenausgabe im "Markt 22" hin. Das Stadtzentrum bzw. das Rathaus sind leicht zu finden. Die Startnummer und Marathontüte (Inhalt: Sportfluid, "Schwere-Beine-Gel", Fitness-Riegel, Fußbalsam, Schampoo, Hautlotion, Programm, Sicherheitsnadeln, Pflaster sowie Gutschein für ein Finisher-T-Shirt) erhalte ich ohne Wartezeit in Saal 16. Die Startnummernausgabe ist heute bis 22 Uhr und morgen ab zwei Stunden vor dem Start um 6:00 Uhr geöffnet.

Vor dem Gebäude steht ein kleiner Transporter, der Super-Marathon Läufer in die Massenunterkunft zum Elisabeth-Gymnasium transportiert (EUR 0,80). Ich steige in den Transporter ein und verzichte auf Festzelt und Kloßparty. Die Übernachtung kostet EUR 3. Ein Frühstück (Kaffee, Brötchen) erhält man auf Wunsch für EUR 1,50. Abends werden in der Schule Bier und andere Getränke sowie eine Kleinigkeit zu Essen verkauft.

Leider bekomme ich in der Nacht kein Auge zu, da einige Läufer so laut schnarchen, dass selbst Beethoven es gehört hätte. Kurz vor vier gehe ich frühstücken und lege mich dann noch etwas hin. Nachdem ich mich dann umgekleidet habe warte ich auf den Bus, der die Läufer von der Schule zum Start transportiert. Den Kleiderbeutel gebe ich dort bei einem der bereit stehenden LKWs ab. Leider finden ich und einige andere Läufer im Startbereich keine Toiletten (schätze wir hätten vor dem Lauf mal in die Programmzeitung schauen sollen).

Der Lauf

Nachdem wir noch von einem Hubschrauber umkreist werden, fällt pünktlich um 6 Uhr der Startschuss. Ich habe mich ziemlich weit hinten angestellt, da ich bei dem Lauf sicher nicht zu den Top 10 % gehöre. Bereits nach 1,5 Km erreicht man den Stadtrand und ein langer Anstieg beginnt. Ich entschließe mich dazu, alle steilen Anstiege zu gehen und darauf zu achten, dass mein Puls während der ersten 35 Km nicht über 140 geht.

Da ich bisher noch nie 74,3 Km am Stück gelaufen bin, teile ich mir die Strecke in Abschnitte ein. Die ersten 35 Km laufe ich langsam, bevor ich mir dann vorstelle einen "normalen" Trainingsmarathon zu laufen. Die letzten 20 Km möchte ich zügig in etwa zwei Stunden hinter mich bringen.

Im Programmheft werden neun Getränke- und weitere sechs Verpflegungsstellen samt Getränke-/Verpflegungsanordnung aufgelistet. Es gibt Mineralwasser, Cola, Bionade, Tee, Obst, Schleim, Bier, Wurst, belegte Brötchen sowie Brühe. Natürlich bietet jede Getränke-/Verpflegungsstelle nur einen Teil der Auflistung an, dennoch hätte ich gut und gerne auf meinen Camelbak verzichten können. Die ersten beide Getränkestellen haben noch etwas Probleme mit dem Ansturm klarzukommen, später klappt aber alles hervorragend. Ich nehme an den Ständen Wasser, Tee und/oder Schleim sowie Bananen oder Fitnessriegel zu mir.

Km 5 erreiche ich nach etwa 35 Minuten; Km 10 nach ca. 01:08:00 h. Ursprünglich hatte ich damit gerechnet, dass ich sieben bis 7,5 Stunden benötigen würde. Bis Km 35 bleibe ich aber in einer "langsamen" acht bis neun Stunden Gruppe und benötige so für die ersten 30 Km etwa 03:24:00. Die ersten 25,5 Km geht es übrigens fast nur bergauf (von 210 m bis 910 m ü. NN), bevor man dann auf nur 1,3 Km wieder 170 Höhenmeter "verliert".

Die Strecke ist sehr gut präpariert, beschildert und abgesperrt. Es herrschen ideale Temperaturen um 10 bis 15 °C, sodass ich kurz laufen kann. Auch sonst ist das Wetter optimal, es fängt nur einmal bei Km 60 kurz an zu regnen. Sonst ist es z. T. sogar sonnig, wenn auch etwas windig und man hat eine herrliche Aussicht. Die Strecke verläuft zumeist auf Waldwegen und über Wiesen, es gibt aber auch ein paar geteerte Abschnitte sowie kurze Schotterpisten.

Von Km 27 bis Km 55 ist die Strecke relativ flach (weniger als 200 Höhenmeter Differenz). Bei der Verpflegungstelle Grenzadler erfolgt eine Zwischenzeitnahme und es besteht die Möglichkeit den Lauf hier bei Km 55 vorzeitig zu beenden. Ich liege ziemlich genau bei 5:55:00 h und hoffe unter acht Stunden ins Ziel zu kommen. Da ich immer noch keinerlei Beschwerden verspüre, erhöhe ich das Tempo noch etwas. Die nächsten 20 Km vergehen wie im Fluge. Bei Km 63 erreicht man den höchsten Punkt und bis ins Ziel geht es fast nur noch bergab. Ich lasse die letzten beiden Getränkestellen aus, da ich mittlerweile so satt bin, dass ich nichts mehr essen kann und mein Camelbak immer noch reichlich gefüllt ist. Ungefähr fünf Kilometer vor dem Ziel bekomme ich leichte Bauchschmerzen und bin damit auch nicht allein. Die Schmerzen vergehen aber zum Glück schnell wieder. Schon einige Kilometer vor dem Ziel kann man den Sprecher hören, die letzten Kilometer ziehen sich aber trotzdem noch dahin.

Nach dem Lauf

Ich durchlaufe das Zuschauerspalier und erreiche glücklich und nicht einmal so erschöpft nach 07:53:22 h das Ziel in Schmiedefeld. Geschafft. 74,33 Kilometer, 1.490 m An- und 989 m Abstieg sind zurückgelegt. Ich hole meinen Kleiderbeutel und freue mich auf eine heiße Dusche. Leider ist das Wasser im Duschzelt enttäuschend kühl. Nicht direkt kalt, aber definitiv nicht warm genug. Mein Bekannter, der den REWE-Marathon gelaufen war, bestätigt dass das Wasser auch zwei Stunden früher als er das Ziel erreichte nicht warm genug gewesen war. Den Getränkestand im Ziel habe ich verpasst, aber ich hole mir die leckere Suppe und das Zielbier (ein Bier + Cola + Guarana-Gemisch um genau zu sein). Leider vergesse ich den Gutschein für das Finisher-T-Shirt einzulösen.

Da mein Bekannter ja bereits seit drei Stunden im Ziel ist, verlassen wir das Zielgelände und gehen zu den Bushaltestellen. Leider fahren uns zwei Busse nach Neuhaus vor der Nase weg, sodass wir etwas warten müssen. Aber zum Glück hat es wieder aufgehört zu regnen und nach einiger Zeit kommt der nächste Bus. Das Verkehrs-Chaos aus dem Vorjahr bleibt komplett aus und wir erreichen Neuhaus nach etwa einer Stunde.

Heute, einen Tag nach dem Lauf habe ich fast keine Schmerzen und selbst das Treppensteigen bereitet keine Probleme. Ich wage sogar einen 20-minütigen regenerativen Lauf.

Auf den Internetseiten des Rennsteiglaufs stehen zwei Tage nach dem Lauf Ergebnislisten sowie Fotos und Impressionen vom Lauf bereit. Diese werden wohl auch noch in den nächsten Tagen weiter aktualisiert.

Danksagung

Vielen Dank den Helfern und Organisatoren in Eisenach, den Schülern und Helfern der Elisabeth-Schule, den Helfern und Zuschauern auf der Strecke und an den Getränke- und Verpflegungsständen, den Helfern und Zuschauern im Zielbereich, den Verantwortlichen, den anderen Läufern und allen, die direkt oder indirekt zum Gelingen des 30. Rennsteiglaufs und Supermarathons beigetragen haben. Danke auch an running-pur für den Startplatz.

27. Mai 2002
Martin Schrode <webmaster @ schrode . net>
http://www.schrode.net/marathon/rennsteig-super.html

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