Am 20. Oktober 2001 habe ich
zum ersten Mal beim
Schwäbische Alb-Marathon
(die Internetpräsenz ist nicht besonders gut) teilgenommen und es hat mir sehr,
sehr gut dort gefallen. Daher hier ein "kleiner" Erlebnisbericht,
der ursprünglich als E-Mail geschrieben wurde.
Ich bin am Freitagabend angereist, damit ich einigermaßen ausgeschlafen und stressfrei den "großen" Tag beginnen kann. Die Anreise ab Frankfurt mit IR gestaltete sich problemlos. Knapp drei Stunden später war ich in Schwäbisch Gmünd.
Wie mir per E-Mail auf Anfrage mitgeteilt wurde, waren die Wege zum Start, Duschen und Massenquartier ausgeschildert. Allerdings war ich zunächst unsicher, ob das Schild "Läufer, Radfahrer" nicht doch nur zu einem Radsportgeschäft weist, das in der Nähe des Bahnhofs liegt. Das Fahrrad verweist wohl noch auf Früher, denn da gab's neben dem Lauf auch noch einen MTB-Kurs.
In einer der Sporthallen war am Freitag ein Hubert von Goisen Konzert, was mich allerdings nicht interessierte. Das Massenquartier war aber in einer anderen Halle und schnell gefunden. Eigentlich hätte die Übernachtung DM 10 kosten sollen, aber ich habe niemanden gefunden, der kassierte. In der Halle übernachteten ca. 50 Läuferinnen und Läufer und es war erstaunlich ruhig und angenehm belüftet und ich konnte tatsächlich einige Stunden schlafen. Gut war außerdem, dass z. T. Sportmatten und andere Unterlagen noch zusätzlich angeboten wurden. Am nächsten Morgen konnte man sich dort waschen und duschen.
In der Nähe gab's eine Bäckerei und dort habe ich zwei Brötchen, Marmelade, Butter und Kaffee gefrühstückt. In der Halle, in der man die Startnummer abholen musste, konnte man aber auch Brötchen, Kaffee, u. Ä. kaufen.
Man konnte schon erkennen, dass es ein schöner Tag werden würde. Noch war es ziemlich kühl, aber bereits sehr sonnig.
Die Startnummer bekam ich ohne Wartezeit. Eine "Marathontüte" gab's nicht, was ich aber eher positiv vermerke. Es gab ein paar Stände (Rennsteig, Biel, ...) und sonstige Marathoninfo. Ein Video zeigte Ausschnitte der Läufe von 1991 bis 2000. Man konnte sich in der großen Halle in Ruhe hinsetzen, frühstücken oder kostenlos Zeitung lesen. Es gab auch einen Schuh-/Zubehörverkauf und Souvenirstand (Finisher-Shirt u. Ä.).
Irgendwann ging ich dann zu den Umkleiden. Die meisten haben sich aber wohl im Auto oder sonstwo umgezogen. Es war ja warm und trocken. Meinen Rucksack, Schlafsack und Iso ließ ich dann einfach dort, man hätte alles oder zumindest seine Wertsachen auch in der Halle am Infostand abgeben können.
Beim Schwäbische Alb-Marathon laufen nur Freaks! Fast alle Läufer, mit denen ich mich unterhalten habe, waren schon in Biel oder haben noch größeres verbrochen (z. B. einen 36-Stunden-Lauf, 250 km). Ich kam mir mit meinen vier "kleinen" Marathons wie ein Novize vor.
Ich habe mich dann warm gelaufen und noch auf die Toilette, was zumindest bei der "Umkleide-Halle" ohne Problem, sprich Warten, möglich war.
Nach ein paar Begrüßungsworten und der Vorstellung der Friedensläufer, erfolgte pünktlich der Startschuss. Der Lauf wurde übrigens von einem Kameramann auf dem Motorrad gefilmt und es gab auch einige Fotografen am Start/Ziel und auf der Strecke.
Sehr positiv empfand ich, dass jeder Kilometer ausgezeichnet war, was ich ab Kilometer zwei bemerkte. Allerdings scheint das Höhendiagramm nicht ganz akkurat zu sein, denn auch auf den ersten paar Kilometer gab's schon kleinere Steigungen zu bewältigen.
Bei Kilometer zwei war ich voll in meinem Zeitplan, den ich allerdings
nicht dabei hatte (ich lern's wohl nie). Dennoch wunderte ich mich,
dass so viele Läufer vor mir liefen. Wollten die etwa alle unter vier
Stunden ins Ziel kommen? Egal, ich wollte ankommen und vielleicht waren
das ja alles 25-Kilometer-Läufer. ;-)
Ich hatte einen Pulsbereich von 153 bis 158 eingestellt und bemühte mich auch darum, diesen einzuhalten. Allerdings ist es bei den vielen starken Steigungen und Gefällen wirklich nicht sinnvoll.
Ich habe mich dann an eine "langsame" Läuferin gehängt und
bin mit ihr einige Zeit gelaufen, bis ich auf eine andere überwechselte.
;-) Allerdings wurde wir später doch wieder von ersterer
überholt.
Die Anstiege waren z. T. so extrem, dass wirklich nur sehr, sehr langsames Laufen möglich war. Viele Läufer sind auch gegangen und waren auch nicht langsamer. Vielleicht ist diese Art den Berg zu besteigen ökonomischer, aber ich wollte auf jeden Fall komplett durchlaufen.
Nicht nur jeder Kilometer sondern auch jede Verpflegungsstelle war vorbildlich 200 Meter vorher ausgeschildert und zumeist auf beiden Straßenseiten. Es gab Wasser, Tee und z. T. Schleim, isotonische Getränke und Bananenstücke. Die Getränke wurden ausgerufen und fast immer in die Hand gegeben.
Ach ja, ich hatte meinen "CamelBak" mit 2,5 Litern Apfelschorle (1 : 4) gefüllt und dennoch an jedem Stand bis Km 40 einen Becher Wasser geschnappt. Die Verpflegungsstände waren im Abstand von ca. fünf Kilometern aufgebaut.
Wie gesagt, es war sehr sonnig und die Temperaturen waren angenehm. Stellenweise war es etwas windig, aber da die Strecke ein Rundkurs und ohnehin sehr abwechslungsreich war, was den Belag (Teer, Kies, Waldpfad) und die Gegend (auf der Straße, neben (z. T. frisch mit Gülle gedüngten) Feldern, im Wald) anging, war das sicher nicht ausschlaggebend. Die Aussicht war wirklich gut und es war durchaus motivierend zu sehen, welche Gipfel man bereits geschafft hatte.
Mein Knie hat ab und zu gezuckt, aber meist konnte ich ohne Probleme laufen. Meine Waden hatten etwas geschmerzt, aber mit meinen Oberschenkeln hatte ich überhaupt keine Probleme, was wahrscheinlich daran lag, dass ich die z. T. sehr steilen Gefälle nicht zu schnell und mit kleineren Schritten lief (das habe ich vom Rennsteig-Marathon gelernt).
Irgendwann nach(!) Kilometer 25 war dann für die 25-Kilometer-Läufer Schluss und ich schon einiges hinter meinem imaginären Zeitplan. Allerdings stand immer noch der Aufstieg zum höchsten Punkt, dem Stuifen mit 720 Metern bei Km 30 bevor.
Nach Km 30 konnte ich mir dann einreden, dass es jetzt nur noch bergab geht, was natürlich nicht ganz richtig war. Es gab noch einige kleinere, aber doch sehr anstrengende Anstiege, aber ich konnte mir einreden, dass die überhaupt nicht schlimm sind.
Bei Km 40 war dann mein CamelBak leer und ich habe an jedem Stand zwei Becher Wasser genommen. Sehr gut gefiel mir, dass es zwischen Kilometer 40 und dem Ziel, drei Verpflegungspunkte gab. Bei Km 42 gab's die letzte stärkere Steigung, dann ging's nur mehr leicht bergab bzw. eben bis zum Ziel. Auch hier scheint das Höhendiagramm nicht ganz zu stimmen.
Die Strecke wurde gegenüber dem Vorjahr leicht geändert und ist anscheinend etwas schwieriger geworden und weist evtl. sogar mehr als 1.100 Höhenmeter auf.
Im Ziel gab's eine
goldene Medaille (die 25-Kilometer-Läufer bekamen eine Silberne oder
Bronzene) und ich habe erstmal ca. zwei Liter Tee, Wasser, Sportgetränk
getrunken und etliche Bananen verdrückt. Ganz schön anstrengend so ein
Lauf (lt. Uhr habe ich 2.908 KCal verbraucht). Ach ja, meine Zeit:
4:46:47 (bzw. etwas darunter). Damit liege ich ungefähr im Mittelfeld
und bin trotzdem zufrieden, denn der Lauf hat mir wirklich sehr gut
gefallen.
Einziger Kritikpunkt an der Veranstaltung (und der wurde auch vom mehrfachen Sieger des Laufes genannt) ist die etwas geringe Beteiligung der Zuschauer. Es ist (fast) eine reine Sportlerveranstaltung, an der sich die "normale" Bevölkerung kaum beteiligt. Die Stimmung beim Rennsteig, mit etlichen Zuschauern in den Dörfern und der Riesenstimmung und den Veranstaltungen im Zielbereich, die einen Volksfest- oder zumindest Dorf-/Stadtfestcharakter haben, ist damit nicht zu vergleichen.
Dennoch, es gab auch unterwegs immer wieder Wanderer/Zuschauer, die
klatschten und ich habe sogar eine kleine La-Ola-Welle gesehen.
:-)
Dass einem vor allem auf den letzten sieben Kilometern etliche Skater und MTB-Fahrer entgegen kamen, fand ich etwas nervig.
Ich fühle mich weniger k. o. als nach Berlin und habe weder Blasen
noch Aufschürfungen. Mein CamelBak hat sich somit auch im Wettkampf
bewährt. Und ich musste unterwegs nicht einmal austreten.
:-)
Noch kurzem Auslaufen und Stretching ging's in die nicht überfüllten Duschen und dann in die Halle, wo bereits die 25- und 50-Kilometer-Ergebnisse aushingen und gerade die Siegerehrung der 25-Kilometer-Läufer oder -Mannschaften stattfand.
Ich habe mir dann noch Käsebrötchen, Kaffee, Kuchen gekauft und mich
etwas erholt. Außerdem war ich noch auf der Suche nach Marco Heinz, der
mir ein unterschriebenes Exemplar seines Buchs über den Bieler
100-Kilometer-Lauf mit dem Titel "Hundert Kilometer -- Hundert Gedanken" verkaufen
wollte. Und ich habe ihn tatsächlich noch getroffen und er hatte das Buch
auch dabei und dann signiert. :-)
Fazit: Eine perfekte Laufveranstaltung mit hervorragender Organisation, sehr schöner Strecke. Der Schwäbische-Alb Marathon hat wirklich Spaß gemacht und vielleicht laufe ich ihn in 2002 wieder.
Und am 25. Mai lauf' ich beim 30.
GutsMuths-Rennsteiglauf die 74,3 Km des Supermarathons. :-)
Da geht's wenigstens fast nur bergauf und es gibt fast keine der mir
so verhassten steilen Gefälle.
So und jetzt fahre ich vielleicht noch eine kleine Runde Rad, damit die Regeneration beschleunigt wird. Das Wetter ist heute ja leider beschissen, aber das macht mir im Moment überhaupt nichts aus.
10. April 2002
Martin Schrode
<webmaster @ schrode . net>
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